In der Ausstellung Gay Desire präsentiert der raum404 zwei schwule Künstler aus
unterschiedlichen Generationen und unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Es begegnen
sich Karan Vohra’s poetische Linolschnitte und Gianni Gianoroso Rausos intime Fotografien und
werfen einen intimen zärtlichen Blick auf die Fragen schwulen Begehrens.
Wir leben in einer Welt, in der eine umfassende Sexualisierung unsere Wahrnehmung und
Orientierung prägt. Beobachtbar ist eine Gleichzeitigkeit von Individualisierungszwang und
Normierungsdruck, die sich auch auf Sexualität und Körper erstreckt. Sie erscheinen sowohl
als begehrenswerte als auch als formbares Objekt. Dabei bilden die Bilderwelten und
Normkörper der Highgloss-Magazine und der perfekt jeden Quadratmillimeter ausgeleuchtete
normschöne Pornokörper nur eine Seite der Medaille. Die Diskussionen um Bodypositivity,
Fatshaming und Körperbehaarung und nicht normschönen Körpern sind ebenfalls diesem
Diktat des Begehrens unterworfen. Diese Norm gilt dabei nicht nur für das heterosexuelle
Begehren. Auch Sexualität jenseits der Heteronormativität ist einem Diktat des normativen
Begehrens unterworfen.
Damit stellt sich die Frage: „Was ist schwules Begehren?“ Gezeigt werden zwei unter-
schiedliche Künstler, die sich der Frage schwulen Begehrens annähern. Gerade auch in der
schwulen Welt wird Begehren sehr körperlich gedacht. Damit stellt sich aber die Frage was
befriedigt das Begehren. Ist es ausschließlich ein normschöner Körper und der – ggf. sexuelle –
Zugriff auf diesen. Welche weiteren Ebenen des Begehrens gibt es, die nicht in in dieser Matrix
aufgefangen sind? Und wie kann dann Befriedigung aussehen.
Die eingeladenen Künstler arbeiten an Antworten zwischen selbst verlorener Ekstase und
Taumel und einem romantischen Begehren das sich nicht auf eine rein körperliche Ebene
reduzieren lässt, welches ohne Körper in ihrer Vielfalt und Diversität aber nicht denkbar und
erlebbar ist. Sie zeigen aber auch dass Begehren jenseits normschöner Körper Erfüllung
finden kann.
Zwischen Waldlicht und Körperbehaarung verhandeln sie schwules Begehren jenseits
normierter Körperbilder: zärtlich, radikal, verletzlich. Die Ausstellung feiert nicht nur queere
Lust, sondern auch Erinnerung, Scham und Selbstermächtigung als politische Akte.
Gefördert vom Senator für Kultur, dem Ortamt Mitte/ Beirat Mitte / Östliche Vorstadt und der
Wichtige Informationen zur Ausstellung:
Vernissage: 08.08.2025 um 19 Uhr
Ort: raum404, Nicolaistraße 34/36, 28195 Bremen
Laufzeit: 08.08.2025 – 20.09.2025
Finissage: 20.09.2025, 14–21 Uhr
Öffnungszeiten:
Do & Fr: 16–19 Uhr
Sa: 14–17 Uhr
Begleitprogramm:
21.08.2025 (zwei Tage vor dem CSD Bremen): Comic-Lesung mit dem bekannten Comic Zeichner Ralf König
20.09.2025 (zur Finissage): Filmvorführung des mehrfach ausgezeichneten Kurzfilms „Sundar“ von Rohan Kanawade (Cannes-Preisträger)