PM #19: Ein kritisches Nachwort zu unserer PRIDE United im Schlachthof // CSD Bremen sagt Nein zu Rassismus


Bremen steht für große Toleranz! Ja, stimmt. Aber: es gibt immer noch Leute, die Schwierigkeiten mit der Toleranz haben. Da sind zum Beispiel fanatische „Christen“, die einem während der CSD-Demonstration in der Obernstraße wütend ihre Kreuze entgegenhalten. Oder üble Kommentare auf Social-Media-Kanälen. Oder auch das Verhalten in der eigenen Community untereinander.

Anders gesagt: Lesben, Schwule, Trans*, Inter* und Queere sind nicht automatisch toleranter als andere Menschen. Davon haben wir nach einer absolut wunderbaren CSD-Demonstration auf unserer eigenen Abschlussveranstaltung eine üble Kostprobe bekommen. Ganz bewusst hatten wir von 0:00 Uhr bis 2:00 Uhr das DJ-Pult der Kesselhalle im Schlachthof der Gruppe der queeren People of Color übergeben. Nicht nur tagsüber Vielfalt predigen, sondern auch abends Vielfalt leben und tanzen: Darum ging es uns. Mit Erfolg.

Die Tanzfläche war voll, die Menschen hatten ihren Spaß bei Tanzmusik von queeren Menschen aus allen Regionen der Welt. „Die Menschen hatten ihren Spaß“ galt dann auch für fast alle. Einige-wenige Pöbelnde überzogen die beiden DJ*anes jedoch mit heftigen verbalen Angriffen: „Spielt den Kram doch im Ausland!“ war noch eine harmlose Variante. Wir möchten an dieser Stelle auch keine Rassismen wiederholen. Selbst der Hinweis, dass auf einem weiteren Dancefloor doch noch ganz andere Musik laufen würde, ließen die wenigen Störer*innen nicht gelten.

Ein glatzköpfiger weißer Mann hat letztlich nach der erfolglosen Frage „Ihr hört nicht auf, oder…?“ ein Glas Bier übers DJ-Pult geschüttet. 1.500 Euro Schaden – das Geld hätten wir gerne in den nächsten CSD investiert. Vielfalt und Toleranz müssen gelebt werden. Das gilt auch in den eigenen Reihen. Also: Wir bieten auch beim CSD Bremen 2019 nicht nur eurozentrische Musik, sondern auch wieder Musik aus allen Gegenden der Welt an. So, wie wir auch aus allen Gegenden der Welt kommen.

Denn „Der Schlüssel zur Welt ist Vielfalt*“ – unser Jahresmotto von 2018 – ist und bleibt aktueller denn je. Schon 2017 war unser Motto „Vielfalt* ist Freiheit – hier und überall!“ In diesem Sinne: Wir sagen Nein zu Rassismus.

CSD in Bremen und weltweit

Der Christopher Street Day in Deutschland ist eine Bewegung, die starke Bremer Wurzeln hat. Ja, der erste deutsche CSD fand 1979 in Bremen, wenige Wochen vor dem in Berlin, statt. Der CSD erinnert an den ersten bekanntgewordenen Aufstand von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten gegen die Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street im Stadtviertel Greenwich Village im Sommer 1969. Seitdem wird in New York am letzten Samstag im Juni, dem Christopher Street Liberation Day, mit einem Straßenumzug an dieses Ereignis erinnert. Daraus ist eine weltweite Tradition und Bürgerrechtsbewegung geworden, im Sommer Demonstrationen für die Rechte von Lesben und Schwulen sowie der ganzen „Regenbogen-Community“ abzuhalten - und zu der gehören ganz selbstverständlich auch Menschen mit Behinderung.

Pressekontakt

Robert Martin Dadanski
Tel: 0421 / 69 49 33 40
Vorstand | Pressesprecher | LGBTIQ* Städtepartnerschaft
presse@csd-bremen.org

Die Pressemitteilung steht auch als PDF (ca. 120 kb) bereit.

Fotos in bester Auflösung stellt der CSD Bremen e. V. bei Quellenangabe www.csd-bremen.org zur Verfügung:

  1. Originalbild
Robert Martin Dadanski

Geschrieben von: Robert Martin Dadanski

Schon in meiner Berufsausbildung zum Spediteur musste ich mit unterschliedlichsten Menschen aus unterschliedlichen Ländern mit unterschiedlichen Mentalitäten zusammenarbeiten. Diskriminierung sollte gerade in diesem Berufsbild absolut fremd sein. Viel mehr sollte Toleranz und Wertschätzung zur Grundausbildung gehören. Im CSD Bremen Team sehe ich meine Möglichkeit die Welt wenigstens ein ganz kleines Stückchen besser zu machen.

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    Leah - 28.08.2018 12:48h:

    Liebes CSD-Team,

    es hat mich sehr gefreut, dass ihr dieses Jahr ganz bewusst Schritte unternommen habt, um den PoCs aus unserer Community Raum und Zeit und Sichtbarkeit zu bieten. Auch fand ich es schn, dass ich dementsprechend auf eurer Website sofort eine Stellungnahme zu den rassistischen Vorfllen gefunden habe. Und danke, dass ihr keine Rassismen wiederholt habt im Artikel.

    Mich hat die Nachricht, die mir von Freund*innen und ber einen Queerfilmfestival-Verteiler zugetragen wurde ziemlich erschrocken und verrgert.
    Klar, dass es innerhalb der Community der LGBTIQ* auch Rassist*innen gibt, leider. Und vermutlich leider nicht nur "einige-wenige", die ihren Mund aufgemacht haben, sondern auch jene, die das guthieen und demgegenber tolerant waren. Umso wichtiger finde ich, dass dies auch in der Stellungnahme eben genau so auch benannt und Position bezogen wird; dass so etwas nicht erwnscht ist, sondern ihr euch mit den DJ*anes und anwesenden PoCs solidarisiert, wenn ihr es mit dem "NEIN zu Rassismus!" ernst meint.

    Es mag sein, dass der Mensch, der letztenendes den finanziellen Schaden an dem DJ-Pult verschuldet hat genau so aussah: glatzkpfig, wei und mnnlich. Es zeichnet jedoch das stereotype Bild eines Nazis und verschleiert, wie viele "szenetypisch" aussehende weie LGBTIQ* ebensolche rassistische Gedanken haben. Und eben nicht nur Einzelpersonen, sondern, dass es sich dabei um ein gesamtgesellschaftliches Problem handelt, welches eben genau durch eine solche Einzelfallbeschreibung verharmlost wird und so tut als seien es "nur" die Neonazis und nicht die weie, nette, lesbische Nachbarin von nebenan.
    Natrlich ist es Mist, dass das Equipment zu schaden kam und dass ihr das Geld gerne anderweitig investieren wrdet, das kann ich nachvollziehen. Vielmehr emprt mich jedoch das rassistische Verhalten, das Freund*innen of Colour bei dieser Veranstaltung rassistische Beschimpfungen aushalten mussten und nicht sicher waren vor einem Angriff trotz Security, bzw. dass es von Seiten des CSD-Teams auf der Party keine Stellungnahme und keine Solidarittsbekundung gab. Offensichtlich sahen sich diese pbelnden Personen im Recht so reden und handeln zu drfen und, dass ihnen der Raum gehre. Ein Ausdruck, der zeigt, dass es eben nicht nur Einzelpersonen sind.
    Klarzustellen, dass es dafr keinen Platz fr derartige rassistische Aussagen und solches Verhalten gibt und dass, wenn ihnen die Musik nicht gefllt, sie gehen sollen, bzw. bei ausfallenden Kommentaren "gegangen werden" wre meiner Meinung nach eure Aufgabe gewesen.
    In diesem Sinne fnd ich es angebracht, die offizielle Stellungnahme auf eurer Website noch einmal zu berarbeiten und auch einen Link zu der von den Betroffenen selbst verffentlichten Stellungnahme anzugeben. Und auch der Ausdruck von weitergehenden Bemhungen, dass es nchstes Jahr weitere Schritte geben wird, um dem entgegenzuwirken wren ein Schritt in Richtung Solidiarisierung und "NEIN zu Rassismus!".

    In dem Sinne: Solidarisch gegen Rassismus, immer und berall!
    Viele Gre, Leah


    Christian - 29.08.2018 07:29h:

    Nicht nur Bekehrungsversuche in der Obernstrae. Wir standen mit Freundinnen und und Freunden am Goetheplatz, als ein Typ auf uns zukam, leicht angetrunken, und nach etwas Kleingeld fragte. Eine Frau aus unserer Gruppe gab ihm etwas und er bedankte sich dafr. Er redete dann noch etwas mit uns und als er sich verabschiedete, hob er den Arm zum Hiltergru und sagte "Sieg Heil". Wir waren dermaen perplex, das wir uns darber gergert haben ihm Geld gegeben zu haben, aber leider die in der Nhe stehende Polizei nicht alarmiert haben. Mich rgert eher unsere Reaktion oder besser gesagt die "Nicht-Reaktion" darauf.
    Eines zeigt das hier aber alles: Es geht lngst nicht mehr nur um Homo-Ehe und Gleichstellung, sondern darum wirkliche Vielfalt zu leben und den immer strker aufkeimenden Alltags Rassismus zu bekmpfen.

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