Brief einer Bisexuellen an die LGBTIQ*-Community // Celebrate Bisexuality Day 2018


Liebe LGBTIQ*-Community,

heute zum Celebrate-Bisexuality-Day richte ich mich an euch. An all‘ jene, die Toleranz einfordern, aber andere Minderheiten ausschließen. An all‘ jene, die aufgrund ihrer Sexualität verurteilt werden, aber andere Menschen aufgrund von Sexualität verurteilen. Ob gerade DU Dir diesen Schuh anziehst, ist Deine Sache. Nun denn, los geht‘s:

Was ich schon immer mal sagen wollte

„Ich möchte keine bisexuelle Freundin. Da hätte ich immer Angst, dass sie mich betrügt.“

oder

„Eine Person, die bereits andersgeschlechtliche Erfahrungen gemacht hat, ist für mich nicht so rein.“

Das sind Sprüche, die mir als bisexuelle Frau von Menschen aus der Community an den Kopf geworfen werden. Und sowas tut richtig weh. Wie kann man sich das Recht nehmen, mir eine Charaktereigenschaft zuzuschreiben oder mir eine mangelnde Körperhygiene zu unterstellen, nur aufgrund meiner sexuellen Neigung?

Auf CSD-Demonstrationen rufen sie laut: „Lieb‘ doch, wen Du willst!“

Aber ich, ich soll mich vorher auf ein Geschlecht festlegen?

Ganz zu schweigen von den Standard-Sprüchen, bezüglich einer Phase oder der Nicht-Existenz von Bisexualität. Gerade dadurch fühlen sich viele Bisexuelle dazu gedrängt, ihre Sexualität vor anderen zu beweisen – vor allem wenn sie in einer Beziehung stecken oder bisher nur Erfahrungen mit einem Geschlecht gemacht haben.

Ich bezeichne solche Aussagen schlicht und einfach als biphob. Und gerade von Menschen, die bereits selber zum Beispiel homo- oder transphobe Erfahrungen machen mussten, fordere ich mir deutlich mehr Offenheit und Toleranz.

Biphobie durch Medien gefördert

Einen Grund für die Vorurteile gegenüber Bisexuellen innerhalb der gesamten Gesellschaft sehe ich in der medialen Darstellung.

Hier wird Bisexualität zur Charaktereigenschaft und die Figuren selten weiter ausgeschmückt. Meistens sind sie in Dreiecksbeziehungen oder fallen durch Untreue auf. Die Figuren werden deviant dargestellt. Irgendwie böse oder sogar psychopathisch.

Zum Beispiel Jenny Schecter in „The L-Word“ (eine Serie über queere Frauen in Los Angeles), die zu Anfang der Serie mit Männern zusammen ist, dann mit Frauen und sich einfach nicht auf einen Menschen festlegen kann, viel lügt und betrügt. Oder Adéle in „Blau ist eine warme Farbe“, die ihre Freundin Emma mit einem Mann betrügt.

Und auch die Stars und Sternchen, die sich immer häufiger als bisexuell outen, tragen nicht unbedingt zu einem besseren Bild bei. Immer häufiger kommt mir zu Ohren, dass „Bisexualität gerade voll im Trend ist.“

Ich bin also im Trend? Ich will gar nicht im Trend sein.

Und ich habe noch keine bisexuellen Menschen getroffen, die sich als bi identifizieren, weil es angesagt wäre.

Fünf Wünsche habe ich für die Zukunft

Anne auf der Kundgebung des CSD Bremen 2017
Anne auf der Kundgebung des CSD Bremen 2017.
  • Bitte denkt daran, dass es mehr gibt als nur Heterosexualität und Homosexualität. Schenkt auch den Bisexuellen, Pansexuellen, Intersexuellen und Transpersonen die Aufmerksamkeit und predigt für Toleranz anders liebender und anders geschlechtlicher Menschen.
  • Macht euch klar, dass Bisexuelle unsichtbar sind. An dem Geschlecht des Partners erkennt man sie einfach nicht.
  • Hört zu und versucht zu verstehen. Bi-Feindlichkeit gibt es nicht nur in der heteronormativen Gesellschaft, sondern auch in unserer Community. 30% der Bisexuellen wurden in unserer Community schon diskriminiert oder gemobbt. Aber wir sind keine Verräter, sondern eure Verbündete!
  • Lasst uns gemeinsam gegen die übersexualisierte Darstellung von Bisexuellen kämpfen. Und das fängt im Kopf an! Wir sind nicht automatisch promiskuitiv, leben polyamor, sind für jeden verfügbar oder haben den Wunsch nach Gruppensex.
  • Bisexualität existiert. Und das soll nicht geleugnet werden. Es ist keine Phase und wir sind weder verwirrt noch unentschlossen.

Mein Fazit ist also eigentlich recht einfach:

Wir wollen anerkannt und nicht aufgrund unserer Sexualität charakterisiert werden. Denn wir haben das genauso verdient, wie alle anderen Menschen hier auch!

In diesem Sinne beste Wünsche zum Celebrate-Bisexuality-Day,

Anne

Anne Papen

Geschrieben von: Anne Papen

Lange habe ich mich gefragt, welchen Sinn mein Dasein hier auf dieser Erde hat. Und diese Frage macht nicht glücklich. Aber sie hat mich verändert. Als Mitwirkende im Team des CSDs Bremen, kann ich mir selber Aufgaben auferlegen, in denen ich meine Stärke sehe, und uns als Team mit Blick auf die gemeinsamen Ziele weiterbringen. Es macht mich stolz zu sehen, dass wir etwas bewegen können.

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Kommentar schreiben:


Ralph Hartung - 23.09.2018 09:49h:

Deine Denke ist auch meine nur wrde ich nie so schreiben knnen.
Danke fr jedes Wort

PS: wie schn wre es wenn jemanden kennen lernt und ohne Angst sagen kann ich bin bi.
Ein Traum schade

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