Heterosexuelle sollten ein Coming-Out haben // Coming Out Day 2018


“It is definitely annoying that straight (and white, for that matter) is the default, and that the only people who have to think about their identity are the ones who don’t fit that mold. Straight people really should have to come out, and the more awkward it is, the better. Awkwardness should be a requirement.”

Becky Albertalli, Simon vs. the Homo Sapiens Agenda

Simon vs. the Homo Sapiens Agenda ist ein Roman, der eigentlich dem Genre “Junge Erwachsene” / “Young Adult” zugeordnet ist. Trotz allem findet das Buch großen Anklang in der LGBT*-Community, in verschiedensten Altersstufen. Das liegt vielleicht daran, dass es keine große Auswahl an Queer*- Literatur gibt, und sich neue Inhalte deshalb umso schneller verbreiten, wenn etwas neues auf den Markt kommt.

Dieser Artikel wurde eigentlich erst am 18.10.2018 veröffentlicht, aber für die chronologische Reihenfolge im Blog und passend zum Coming Out Day 2018 auf den 11.10.2018 eingestellt.

Zum anderen gibt uns das Buch ein Zitat, welches schnell in aller Munde war. Wieso sollte man überhaupt ein Coming-Out haben müssen? Wieso wird davon ausgegangen, dass alle Menschen hetero und cis, (und weiß) sind, bis sie sich offen präsentieren und anderen ihre Wahrheit offenbaren? Zahlreiche Filme haben portraitiert wie schmerzhaft oder unangenehm Coming-Out sein kann.

Die Lösung liegt also auf der Hand: Heterosexuelle sollten ein Coming-Out haben. Queer until proven otherwise. Bisher sind es hauptsächlich queere Menschen, die diesen Vorschlag unterstützen (duh), also wenn ihr heterosexuell und cis seid, dürft ihr gerne die ersten Schritte unternehmen und euer eigenes Coming-Out haben.

Coming-Out ist vor allem deshalb nicht einfach, weil unsere Realitäten immer komplexer werden. Wahrscheinlich waren sie es schon immer, nur haben wir jetzt endlich Worte dafür. Zumindest im Englischen. Da stoßen wir auf ein zweites Problem. Viele der Konversationen um Sex* und Gender* finden im Englischen statt. Die Deutsche Sprache ist träge, und wenn man es dann schon geschafft hat Eltern, Freunden oder Arbeitgeber*innen zu erklären, dass man eine gender-nonconforming, non-binary lesbian ist, wird es dann schwierig neutrale Pronomen zu erklären oder gar zu implementieren.

Es ist 2018 und man sollte meinen, Coming-Out sei keine große Sache mehr. Sollte es auch nicht sein. Die Realität sieht anders aus. Aus den rechten Reihen wird vor dem “Genderwahnsinn” gewarnt, die Regenbogenfamilie kategorisch abgelehnt. Freunde und Freundinnen wenden sich ab. Manchmal Familie. Jobverlust droht, auch wenn man vom Gesetz geschützt sein sollte. Gewalt gegen Trans*Personen, vor allem gegen Trans*-Frauen und nicht-weißen Trans*-Frauen ist deutlich höher als gegen andere Personengruppen. Coming-Out kann noch immer tödlich sein.

On a more positive note, “es wird”. Sowohl auf persönlicher Ebene als auch auf strukturell-politischer Ebene finden Mitglieder der LGBTQ* Community ihre eigenen Wege das Coming-Out für sich zu meistern. Eine Hilfe für nicht-binäre Menschen ist da schon allein eine Verbesserung der Norm bei Stellenausschreibungen (gesucht m/f/x) und auch am TSG wird gerüttelt und gezerrt.

Wir haben gelernt, eine Familie außerhalb unserer Verwandtschaft zu finden. Und da wir immer wieder Menschen begegnen, die davon ausgehen, dass (Cis-) Hetero-sein der Standard ist, haben wir mittlerweile sehr viel Übung im Coming-Out. Am schönsten ist es trotzdem sich mit Menschen zu umgeben die wissen wie kompliziert die Beziehung zu sexueller Orientierung und gender*-Identität sein kann. Die einen so annehmen wie man ist, mit den Worten, die man zur Verfügung hat. Die das Coming-Out außerhalb der Community ein wenig leichter machen. Die just in diesem Moment eine Petition erstellen, die einfordert, dass Heterosexuelle ein Coming-Out haben sollten. Tom, es wird wirklich Zeit unseren Eltern zu sagen, was in deinem Herzen vor sich geht und ich will, dass du weißt, dass du trotz deiner Heterosexualität immer mein Bruder bleiben wirst. ILY.

Danke an meinen heterosexuellen Bruder, der seit dem ersten CSD an meiner Seite war. Tom, du solltest wirklich ein Coming-Out haben. All meine schwulen Freunde sind sehr enttäuscht wenn sie erfahren, dass du straight bist.

Lys

Lisa (Lys) Salecker

Geschrieben von: Lisa (Lys) Salecker

Im letzten Jahr gab es endlich mal einen Christopher Street Day in meiner Wahlheimatstadt Bremen. Da musste ich dabei sein. Als ich gesehen habe, was für ein riesengroßes Event das Ganze wurde, war ich völlig überwältigt und dachte, da muss ich irgendwie mitmachen. Nicht einfach nur Zuschauer sein, sondern selbst auch etwas bewegen. Also ab zum „CSD Bremen sucht dich“-Termin und Zack war ich dabei. Ich freue mich sehr, in diesem Jahr den CSD Bremen mit aller Kraft zu unterstützen.

Bildquelle(n):


    Kommentar schreiben:

    Keine Infos verpassen!
    Abonniere unseren Newsletter:
    Bekomme eine E-Mail, wenn es Neues gibt.