Der CSD Bremen 2019 wurde durch die Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Häfen aus den Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Bremen gefördert. Mehr zu unseren Förderern 2019.

Drei Männer, drei Methoden: Safer Sex 3.0


Florian mag den Schutz, den ihm das Kondom bietet – vor HIV und vor anderen Geschlechtskrankheiten. Der 45-Jährige empfindet das Gummi beim Sex sogar als Bereicherung. Flo (40 Jahre) ist HIV-positiv und nimmt seit mehr als 15 Jahren Medikamente. Die Therapie schützt auch seine Sexpartner: HIV ist beim Sex nicht übertragbar. Kaum war in Deutschland die PrEP erhältlich, ließ sich Alex diese Schutzmethode vor HIV verschreiben. Auch nach anderthalb Jahren schwört der 32-Jährige noch auf diese Lösung, sich vor einer Infektion zu schützen.


Dies ist ein Gastartikel von “ICH WEISS WAS ICH TU”, eine Kampagne der Deutschen Aidshilfe.


Was bedeutet deine Safer-Sex-Methode für dich?

Alex (PrEP): Viele Männer nutzen die PrEP, weil sie grundsätzlich auf Kondome verzichten möchten. Bei mir steht das nicht im Vordergrund. Vielmehr verschafft mir die PrEP Sicherheit in Situationen, die ohne sie riskant wären. Bevor ich mir die Tabletten verschreiben ließ, war ich mehr als einmal kurz davor, ungeschützt zu ficken. Ein Bier zu viel und ich musste mich wirklich zusammenreißen. Jetzt liegt der Schutz in meiner Hand: Mit der PrEP ist eine HIV-Infektion auch dann ausgeschlossen, wenn mein Sexpartner kein Gummi überzieht. Dank der PrEP kann ich Sex viel entspannter genießen.

Flo (Schutz durch Therapie): Vor zehn Jahren bin ich noch meistens auf Partys für HIV-Positive gegangen, wenn ich Sex wollte. Nur im geschützten Raum schien es mir möglich, das Kondom wegzulassen, ohne unter Rechtfertigungsdruck zu geraten. Die Schwulenszene war insgesamt ziemlich gespalten: wir Positiven hier, die Negativen dort. Mittlerweile hat sich das geändert. Mehr und mehr schwule Männer sind über die neueren Safer-Sex-Methoden informiert. Sie wissen: Positive können andere Menschen nicht anstecken, wenn sie regelmäßig ihre Tabletten nehmen. Ich kann in Berlin ins Lab oder ins Kitty gehen und Spaß mit Männern haben, die ihre Sexualität jetzt natürlich und angstfrei ausleben. Für mich fühlt sich das an wie eine Befreiung.

Florian (Kondom): Ich verwende weiterhin das Kondom, auch wenn andere darin eine Art „Ikone der Beschwertheit“ sehen mögen. Diese Safer-Sex-Methode ist für mich so sicher wie einfach: Ich nutze sie genau dann, wenn ich Sex habe. Tabletten hingegen müsste ich jeden Tag nehmen, selbst wenn es wochenlang nicht zu Sex kommt. Für Kondome brauche ich kein Rezept und ich muss mir auch nicht regelmäßig bestätigen lassen, dass meine Niere die PrEP noch verträgt.
Ich gehöre auch nicht nicht zu den Männern, die das Kondom beim Sex stört. Im Gegenteil. Ich empfinde es als anregenden Teil des Vorspiels, das Kondom überzustreifen. Dann ist beiden klar, dass der Spaß gleich losgeht.

Wie geht ihr mit Nutzern anderer Methoden um?

Florian (Kondom): Jeder und jede hat das Recht, die Methode zu wählen, die zu ihm oder ihr passt. Außerdem verstehe ich, dass viele PrEP-Nutzer und HIV-Positive unter Therapie Sex ohne Gummi haben möchten. Zum Beispiel haben mir etliche HIV-Positive erzählt, dass sie sich von alten Fesseln befreit fühlen, seit die Schutzwirkung der Therapie nachgewiesen ist. Flo sieht das ja auch so. Ich wiederum empfinde es als Freiheit, auf Tabletten verzichten zu können. Deswegen ist nach wie vor für mich das Kondom die erste Wahl. Wenn mir jemand sagt „Ich nehme Tabletten. Wir können auch ohne Gummi ficken“, dann lehne ich freundlich ab. Das persönliche Schutzbedürfnis eines Menschen steht generell über dem Wunsch des Gegenübers, sexuelle Lust zu erleben.

Alex (PrEP): Mich stört das Kondom nicht. Ich überlasse es in der Regel dem anderen, ob er sich eins überzieht.

Flo (Schutz durch Therapie): Kondome benutze ich nur, wenn der andere darauf besteht und zu heiß aussieht, um ihn wegzuschicken. Ansonsten wünscht man einander freundlich einen angenehmen Abend und flirtet einen anderen Typen an.


Dies ist ein Gastartikel von “ICH WEISS WAS ICH TU”, eine Kampagne der Deutschen Aidshilfe.

Sven Meyer

Geschrieben von: Sven Meyer

Ich wollte schon länger ehrenamtlich einen gemeinnützigen Verein unterstützen. Außerdem möchte ich meine Erfahrungen rund um die Website-Erstellung sinnvoll einbringen. Als queerer Mensch liegen mir queere Themen besonders am Herzen. Kurzum: Der CSD traf im richtigen Moment den richtigen Nerv. Die Arbeit im Team hat mir von Anfang an Spaß gemacht. Der Erfolg unserer beiden gemeinsamen CSDs hat mich überwältigt. Projekte wie die Zusammenarbeit mit dem CSD Danzig im Rahmen der Städtepartnerschaft Danzig/Bremen zeigen, dass der CSD Bremen ganzjährig etwas bewirken kann.

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