Schriftzug 'Diskriminierung an Bremer Schulen' auf einem Bild von der Demo

Wir sammeln Erfahrungen von Bremer*innen zur Diskriminierung an Schulen. Melde dich bei uns.


Durch die Berichterstattung zum Fall Olaf Latzel - dem Bremer Pastor, gegen den das Verfahren wegen Volksverhetzung auf unseren Antrag hin vom Gericht zugelassen wurde - hat sich Max1 bei uns gemeldet. Max hat sich während seiner Schulzeit an der Freien Evangelischen Bekenntnisschule Bremen (FEBB) als Trans*mann2 geoutet und wurde von seinen Lehrer*innen und der Schulleitung diskriminiert. Max hat seine Erlebnisse nun angezeigt und die Polizei ermittelt3.

Leider müssen wir davon ausgehen, dass Max kein Einzelfall ist und dass es weitere Diskriminierungen an Bremer Schulen gibt4. Wir möchten hier weiter aufklären und suchen deshalb weitere Erfahrungen.

Aktualisierung am 13.09.20, 22:18h: DGTI in der Liste der Beratungsstellen ergänzt.

Bitte melde dich bei uns

Wir suchen Erfahrungen von (aktuellen und ehemaligen) Schüler*innen, Lehrer*innen, Schulleiter*innen, Klassenkamerad*innen, Eltern, Verwandten, Freunden und allgemein allen Menschen, die persönlich von Diskriminierungen an Bremer Schulen erfahren haben. Die entweder selbst betroffen sind, es waren oder es bei anderen erlebt haben.

Für Betroffene ist es manchmal schwierig, selbst über ihre Erfahrungen zu sprechen. Außerdem sind auch Erfahrungsberichte von Dritten, die nicht selbst diskriminiert wurden, es aber bei anderen erlebt haben, wertvoll.

Wir rufen deshalb alle, die etwas dazu zu sagen haben, auf, sich bei uns zu melden. Du kannst uns eine E-Mail an schule@csd-bremen.org schreiben oder uns unter 0421 / 40 888 050 anrufen.

Was machen wir damit?

Als CSD Verein wollen wir über das Leben als queerer Mensch in Bremen aufklären. Unser Vereinszweck ist vor allem auch die Förderung der Toleranz auf allen Gebieten. Als eines der prägendsten Elemente der Kindheit und Jugend spielt die Schule hier eine besondere Rolle.

Wir möchten deshalb Erfahrungen mit Diskriminierung an Bremer Schulen sammeln, damit wir im nächsten Schritt die Öffentlichkeit, die Schulen und die zuständigen Behörden darüber aufklären können. So können wir mit den Expert*innen darüber sprechen, wie wir die Toleranz für queere Menschen und letztlich auch die Erfahrung Schule für alle verbessern können.

Was wir schon gemacht haben

Wir versuchen jedes Jahr ein einzelnes Thema bzw. eine einzelne Teilgruppe der queeren Community besonders hervorzuheben. Nach und nach möchten wir so die Vielfalt der queeren Community zeigen, Bewusstsein schaffen und unseren Vereinszweck der Aufklärung erfüllen.

2017 haben wir kostenlose LKW für Lesben, Trans*- und Inter*-Menschen organisiert, um für Sichtbarkeit in der cis-schwul-dominierten queeren Community zu sorgen. 2018 haben wir die bestehende Städtepartnerschaft zwischen Bremen und Danzig um eine queere Dimension ergänzt und sind im Austausch mit queeren Menschen aus Polen. 2019 haben wir besonders auf die Probleme queerer Menschen mit Behinderung hingewiesen.

Aus aktuellem Anlass möchten wir dieses Jahr über das Thema “Schule als queerer Mensch” aufklären und suchen dafür Erfahrungsberichte.

Die Bremer Behörde für Schulaufsicht haben wir bereits am 30. Juli um Stellungnahme zu Max Fall gebeten. Unsere Anfrage veröffentlichen wir hier als PDF: Bitte des CSD Bremen e. V. um Stellungnahme bei der Bremer Schulaufsichtsbehörde vom 30. Juli 2020.

Neben einer Stellungnahme zu Max Fall haben wir allgemein nach Kontrollmaßnahmen der Schulaufsichtsbehörde in den letzten zehn Jahren gefragt. Außerdem wollten wir wissen, welche Maßnahmen in Zukunft geplant sind, damit sich ein Fall wie Max nicht wiederholt.

Am 19. August haben wir eine Antwort von der Schulaufsichtsbehörde erhalten, die wir hier als PDF veröffentlichen: Antwort der Schulaufsichtsbehörde vom 19. August 2020. Wir haben die persönlichen Daten der Bearbeiter*innen geschwärzt, weil es uns nicht um die einzelnen Bearbeiter*innen geht, sondern um die Schulaufsicht als Behörde und die Verantwortung der ehemaligen und aktuellen Senator*innen.

Über die Antwort waren wir mehr als erschrocken. Die Schulaufsichtsbehörde hat uns geschrieben, dass anlasslose Kontrollen im Selbstverständnis der Bremer Schulaufsicht nicht üblich sind. Nach unserem Verständnis grenzt das an Arbeitsverweigerung.

Als zuständige Aufsichtsbehörde die beaufsichtigten Organisationen nicht zu prüfen, hat unserem Verständnis nach eine ähnliche Logik wie “Wenn wir nicht auf Corona testen, gibt es auch keine Corona-Fälle”. Zu konkreten Maßnahmen für die Zukunft haben wir nur erfahren, dass zwar eine Stellungnahme der Freien Evangelischen Bekenntnisschule (FEBB) zu Max eingefordert wird. Zu allgemeinen Maßnahmen unabhängig vom Einzelfall haben wir nichts erfahren.

Wir sind der Meinung, dass die Bremer Schulaufsichtsbehörde im Rahmen ihres Auftrags nach dem Bremer Bildungsgesetz weitaus mehr Möglichkeiten hat, ihre Schulaufsichtspflicht zu erfüllen.

Das alles haben wir auch der Behörde in unserem Antwortschreiben mitgeteilt, das wir ebenfalls veröffentlichen: Unsere Antwort vom 10. September 2020 an die Schulaufsichtsbehörde.

Unsere wichtigste Konsequenz ist aber, dass wir weitere Erfahrungsberichte suchen, um die Schulen, die Behörden und die Öffentlichkeit im Allgemeinen über die Problematik aufzuklären und Handlungsbedarf aufzuzeigen.

Wir rufen deshalb alle, die etwas dazu zu sagen haben, auf, sich bei uns zu melden. Du kannst uns eine E-Mail an schule@csd-bremen.org schreiben oder uns unter 0421 / 40 888 050 anrufen.

Hilfe im konkreten Einzelfall

Als CSD-Verein sind wir vor allem mit der Aufklärung beschäftigt. Wir wollen Sichtbarkeit für die Themen der queeren Community schaffen und der Gesellschaft, der Öffentlichkeit und auch der Verwaltung zeigen, wo es welche Probleme von queeren Menschen gibt. Langfristig wollen wir damit strukturelle Verbesserungen erreichen, damit es in Zukunft weniger Diskriminierung gibt.

Im konkreten Einzelfall können wir leider nicht helfen: Wir können keine Beratung leisten. Dafür gibt es in Bremen z. B. Angebote der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e. V. (DGTI), dem Trans*Recht e. V. und vom Rat&Tat-Zentrum für queeres Leben e. V..

Wir können nur insofern helfen, dass wir öffentliches Bewusstsein schaffen können. Damit sich der “Einzel”fall nicht wiederholt und die persönlichen Erfahrungen - so schlimm sie sind - immerhin dazu beitragen, dass es in Zukunft besser für andere Menschen wird. Deshalb brauchen wir Erfahrungsberichte von Betroffenen und aus ihrem Umfeld.

Wir suchen immer Verstärkung

Wenn du Interesse hast, uns bei der Dokumentation und Sammlung von Erfahrungen zu unterstützen und beim Thema Diskriminierung an Bremer Schulen mitzuarbeiten, freuen wir uns immer über mehr Humanpower. Bei Interesse schreibe uns gerne eine E-Mail an info@csd-bremen.org mit deinen Erfahrungen und was du gerne machen würdest.

Anmerkungen, weiterlesen & Quellen

  1. Max heißt in Wirklichkeit anders, aber zu seinem Schutz nennen wir ihn Max. Sein echter Name ist uns bekannt. 

  2. Trans*mann bezeichnet einen Mann, der im Körper einer Frau geboren wurde. Wir schreiben Trans*mann mit Gendersternchen, um darauf hinzuweisen, dass sich hinter dem Begriff Trans* eine Vielfalt von verschiedenen Identitäten und Lebensrealitäten steckt. 

  3. siehe TAZ: “Evangelikale Schule mobbt Transsexuellen: Mit Gebeten gegen den Dämon”, abgerufen am 13.09.2020. 

  4. Nicht zuletzt rund um die Berichterstattung rund um das Verbot von Konversionstherapien ergibt sich immer wieder, dass kirchlich bzw. evangelikal geprägte Umfelder nur wenig Toleranz für “gelebte” Homosexualität haben. Vgl. z. B. den Bericht der FAZ über die Doku zu Konversionstherapien: “Liebe dich selbst, hasse deine Sexualität”, abgerufen am 13.09.2020. 

Sven Meyer

Geschrieben von: Sven Meyer

Ich wollte schon länger ehrenamtlich einen gemeinnützigen Verein unterstützen. Außerdem möchte ich meine Erfahrungen rund um die Website-Erstellung sinnvoll einbringen. Als queerer Mensch liegen mir queere Themen besonders am Herzen. Kurzum: Der CSD traf im richtigen Moment den richtigen Nerv. Die Arbeit im Team hat mir von Anfang an Spaß gemacht. Der Erfolg unserer beiden gemeinsamen CSDs hat mich überwältigt. Projekte wie die Zusammenarbeit mit dem CSD Danzig im Rahmen der Städtepartnerschaft Danzig/Bremen zeigen, dass der CSD Bremen ganzjährig etwas bewirken kann.

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